Krebszentrum Hegau-Bodensee

Krebszentrum Hegau-Bodensee

Kunsttherapie im Krebszentrum Hegau-Bodensee

Ich habe meine Arbeit als Kunsttherapeutin im Mai 2016 in der Klinik in Singen begonnen. Die neue Herausforderung in der Klinik hat mich und meinen Arbeitsstil verändert. Ich arbeite mit den Patienten immer sehr individuell. Ich besuche die Patienten im Krankenzimmer. Die Patienten sind häufig sehr schwach und gestresst. Oft haben sie Schmerzen oder bekommen gerade eine Therapie.

Die Patienten staunen immer wieder: „Was muss ich machen? Malen??“ Und so beginnt unsere erste Begegnung. Ich frage: „Was würde Ihnen jetzt gut tun?“ Die Patienten antworten oft etwas wie: „Ich kann mich nicht gut entspannen“ oder „ich bin sehr aufgeregt, mein Kopf ist voll mit vielen Gedanken, die ständig kreisen“. Wir beginnen gemeinsam uns durch die Erzählungen besser kennen zu lernen. Die ersten Minuten entscheiden, ob ich bleiben kann oder nicht.

Ich höre zu und bin als Mensch für sie da. Versuche, auf ihre Ziele und Wünsche intensiv eingehen. Ihre eigene Kraft und Motivation wieder zu entfalten und sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Als Kunsttherapeutin unterstütze ich die Patienten, sich ihre Ziele bildlich vorzustellen und ihre Ressourcen aufzubauen. Meine Methoden sind: Entspannungsreisen, Traumreisen sowie künstlerisches Gestalten der Visionen und Bedürfnisse der Patienten. Immer mittwochs ziehe ich mit meinem umgebauten Nachtschrank durch die Klinik. Station 11, 26, 18 und 25., die Stationen, auf denen die Krebspatienten liegen.

Leider wird ein solches Angebot nicht von der Krankenkasse übernommen. Um eine wöchentliche Begleitung sicher zu stellen, werden jährlich 6000 € benötigt. Der Krankenhausförderverein übernimmt davon 1500 €, denselben Betrag steuert auch die Klinik bei.

Es verbleiben 3000 €, die komplett durch Spenden abgedeckt werden müssen. Wie wichtig Ihre Spende sein kann, zeigt der Bericht über die Begleitung einer Patientin.

Wir freuen uns über jede Spende, die dazu beiträgt, das Angebot zu erhalten. Bitte spenden Sie an den Krankenhausförderverein

Sparkasse Hegau-Bodensee

IBAN: DE59 6925 0035 0003 0530 06

BIC: SOLADES1SNG        Verwendungszweck Kunsttherapie Krebszentrum

oder an das Krebszentrum

Sparkasse Hegau-Bodensee

IBAN: DE13 6925 0035 0003 0500 51

BIC: SOLADES1SNG        Verwendungszweck Krebszentrum SK-0378895, Kunsttherapie

Wenn ein Patient Gefallen an der Kunsttherapie gefunden hat, kann diese auch nach dem stationären Aufenthalt durch Jörg Rinninsland, Kunsttherapeut (IHK Zürich) und Sonderschullehrer am Malort in Gailingen weitergeführt werden. Siehe auch Begleitetes Malen im Malort.


Die Begleitung einer Patientin

Am ersten Tag meiner Arbeit habe ich Frau G. kennen gelernt. Frau G. ist Anfang 50. Ich habe sie besucht und mich bei ihr vorgestellt. Sie lag in ihrem Zimmer. Alleine. Sie hat Infusionen bekommen. Sie sagte: „Frau Martin, ich bin sehr schwach ich habe eine Operation gehabt und ich weiß nicht, wie lange ich mich konzentrieren kann. Ich möchte, dass Sie bei mir bleiben und dass wir uns unterhalten können.“ Ich habe mich sehr gefreut und gesagt, dass sie meine erste Patientin ist und ich sehr aufgeregt bin.

Frau G. hat mir erzählt, wie es ihr grade geht und dass sie starke Schmerzen im Bauch hat. „Richtig scheiße geht es mir jetzt, Frau Martin.“ Wir haben richtig gelacht, und das Wort Scheiße zu sagen hat ihr Erleichterung gegeben. Wir konnten trotzt der starken Schmerzen laut lachen.

Ich habe gefragt, ob ich sie nächsten Mittwoch wieder besuchen darf. Frau G. hat geantwortet: „Ja Frau Martin, ich warte auf Sie, bis Mittwoch“ .

Ich habe Frau G. regelmäßig besucht, Woche für Woche. Unsere Beziehung wuchs und Frau G. konnte sich auch immer mehr öffnen. „Frau Martin, ich möchte jetzt malen“ hat sie gesagt. Ich habe mich sehr gefreut. Ich antwortete, dass ich gleich alles bringe, was ich habe: Farben, Pinsel, Stifte und meinen Materialwagen. Frau G. hat im Bett gemalt auf einem Holzbrett bespannt mit einem weißen Blatt Papier. Frau G. hat einen Baum gemalt. Sie sagte: „Mein Baum ist groß, dunkel und hat keine Blätter“. „Immer ist das so“, sagte sie, „keine Blätter und in schwarz. Auch meine Kleider sind immer schwarz. Warum ist das so bei mir?“

Am folgenden Mittwoch hat sie mir aufgeregt erzählt, dass sie ihrem Mann gesagt hat er solle Pastell-Farben, einen Block Papier und Holzunterlagen kaufen. „Ich will zu Hause weiter malen. Genau gleich wie zusammen mit Ihnen“.

Frau G. hat sich stabilisiert und in ihrer Krankheit einen neuen Weg gefunden ihre Wünsche auszusprechen, aktiv zu sein und ihre Bedürfnisse zu äußern und zu leben. Ich habe Frau G. gefragt, ob sie für mich eine Rückmeldung schreiben könnte. Ich würde mich freuen, sie auf dem neuen Flyer dabei zu haben, wenn sie das möchte. Sie sagte: ,,Ja das mache ich sehr gerne für Sie, Frau Martin.“ Frau G. war es sehr wichtig, dass die Uhrzeit 5:17 Uhr dabei ist: „Ich konnte nicht schlafen und genau um 5:17 Uhr begann ich zu schreiben für Sie: ‚Malen – das Wort hat plötzlich eine andere Bedeutung bekommen, ich bringe es in Verbindung mit Kraft und Kämpfen um Gesundheit. Liebe Frau Martin, ich kann durch Ihre Therapie in jeder Hinsicht neue Kraft schöpfen. Danke, Danke, Danke. Ihre Frau G.‘“

Frau G. hat mir auch ein Geschenk gemacht. Sie hat neue Holzbretter bei einem Schreiner anfertigen lassen. Sie sind jetzt leichter hat sie gesagt. Ich habe mich sehr gefreut. Die neuen Malbretter sind sehr schön. Frau G. ist entlassen worden und wir haben uns 3 Monate nicht gesehen. Ich wusste nicht wie es ihr geht. Anfang Dezember habe ich erfahren, dass sie wieder da ist. Sie hat nach mir gefragt und die Station gebeten, dass ich zu ihr kommen soll. Das war wieder an einem Mittwoch. Sie hat auf mich gewartet. „Frau Martin, ich bin wieder da“ sagte sie.

„Mir geht’s nicht gut, ich bin heute eingeliefert worden und habe gleich nach Ihnen gefragt.“ Ich hatte Tränen in den Augen und ich wusste nicht, was ich sagen soll. Frau G.s letzter Wunsch war, dass ich bei ihr bin und ihre Hand halte. Das täte ihr gut. Ich habe Frau G. auf ihren Wunsch hin jeden Tag in der Klinik besucht. Ihr Gesicht konnte sich entspannen und sie lächelte. Frau G. ist am 6. Dezember 2016 in der Klinik gestorben.

Ein Wunsch von Frau G. war, dass die Kunsttherapie auch weiterhin besteht.

Ich bedanke mich bei Frau G., dass sie für mich eine Lehrerin war, von Anfang bis zum Schluss. Sie hat mich auf meinem Weg in der Klinik begleitet.

Malgorzata Martin

  1. März 2017

Malen gegen die Angst

Sagen Sie mal Frau Martin, was fasziniert Sie an der Arbeit als Kunsttherapeutin? Seit einem Jahr arbeitet Malgorzata Martin am Hegau-Bodensee-Klinikum mit Krebspatienten.

Als Kunsttherapeutin sind Sie auch in der Flüchtlingshilfe engagiert. Wie kam es zu Ihrer Tätigkeit hier im Klinikum in Singen?

Seit Januar 2016 bin ich in der Palliativ-Station in Konstanz als Kunsttherapeutin angestellt. Durch die Arbeit dort bin ich weiterempfohlen worden und seit Mai 2016 arbeite ich hier in der Onkologie des Hegau-Bodensee-Klinikums.

Kunsttherapeutin – Wie kommt man zu so einem außergewöhnlichen Beruf?

Ich muss vielleicht vorausschicken, dass ich zusätzlich als Trainerin mit Schwerpunkt auf Persönlichkeitsentwicklung und Kreativität arbeite. Durch einen Klienten, den ich damals hatte, bin ich auf die Kunsttherapie aufmerksam geworden. Durch ihn habe ich erfahren, dass es wichtig ist, Gefühle im Gespräch zu visualisieren. Nicht immer kann man mit Worten ausdrücken, wie es einem geht. Bei der Arbeit mit diesem Klienten habe ich erkannt, dass die Menschen etwas brauchen, das sie greifen können. Meine Ausbildung zur Kunsttherapeutin hat 2012 begonnen.

Was sind die Vorteile der Kunsttherapie gegenüber dem klassischen Psychologen-Gespräch?

Mit Farben können sich die Menschen viel feinfühliger ausdrücken, als nur mit Worten. Man erkennt, in welcher Gefühlslage sich jemand befindet, wenn er bestimmte Farben wählt. Dunkle Töne nehme ich, wenn es mir schlecht geht. Wenn ich große Wut im Bauch habe, dann greife ich eher zu roter Farbe. Beim therapeutischen Malen geht es nicht um irgendeinen künstlerischen Anspruch, sondern ausschließlich darum, die eigenen Gefühle zu visualisieren und sich buchstäblich vor Augen zu führen, wie es einem gerade geht. So kann man beispielsweise seine eigene Angst bewusster wahrnehmen, indem man sie malt und anschließend mit einem gewissen Abstand, den die Visualisierung erzeugt, betrachtet.

Nehmen die Patienten Ihr Angebot immer sofort gut an? Wie reagieren die Menschen in der Klinik, wenn Sie sich als Kunsttherapeutin vorstellen?

Seit 2013 bin ich auch in der Flüchtlingshilfe mit meiner Kunsttherapie aktiv. Da ist die Situation ganz anders: Die Menschen haben Langeweile, möchten gerne etwas machen und nicht nur rumsitzen und warten. Diese Menschen kann ich oftmals gar nicht bremsen. Im Klinikum ist das anders. Da treffe ich auf Menschen, die eine harte Diagnose bekommen haben. Da muss ich mich langsam vortasten. Um das Malen geht es zunächst gar nicht. Denn das steht bei den Patienten ja nicht an oberster Stelle ihrer Bedürfnisse. Da geht es um Nähe oder das Bedürfnis, mit jemandem über seine Ängste zu sprechen. An diesem Punkt muss ich die Menschen abholen. Bei den weiteren Terminen passiert es meistens, dass sie ganz von alleine auf mich zukommen und mich nach meinen Malsachen fragen.

Wie oft arbeiten Sie mit den Patienten?

Ich bin einen Tag in der Woche da und besuche jeden Patienten an seinem Bett. Wie oft ich sie sehe, hängt von ihrer jeweiligen Therapie ab, wie lange sie also im Krankenhaus sind. Auch zeitlich sind die Besuche sehr flexibel. Bei manchen Patienten bleibe ich etwas länger, nehme mir Zeit, wenn ich sehe, dass es ihnen gerade guttut und wir gemeinsam viel erarbeiten.

Wie groß ist die psychische Belastung in diesem Beruf für Sie?

Am Anfang war die Situation sehr herausfordernd für mich, denn ich bin ein sehr lebensfroher Mensch. In Konstanz, auf der Palliativ-Station, waren die Themen Tod und Sterben allgegenwärtig. Dort habe ich eine Patientin kennengelernt, die im Endstadium krank war. Diese Frau hat mich beeindruckt, denn sie hatte fast immer gute Laune, lachte viel und machte sich trotz allem jeden Tag die Mühe, sich schick anzuziehen und Lippenstift aufzutragen. Beim gemeinsamen Malen war sie es, die mir gezeigt hat, dass ich ihr Schicksal nicht persönlich nehmen soll, sondern dass es einfach gut ist, dass ich sie auf ihrem Weg begleite.

Was ist bei der Arbeit mit schwer kranken Patienten wichtiger? Das gemeinsame Gespräch oder das Malen?

Reden und Malen sind gleich wichtig. Erst wenn sich die Menschen mir gegenüber öffnen, können wir gemeinsam malen. Das ist das Wichtigste. Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, dass mir ein Patient vertraut und sich öffnet. Das heißt, ich habe diesen Menschen erreicht und es geht ihm gut innerhalb der Therapie. Daraus schöpfe ich wiederum neue Kraft und Motivation.

Fragen: Viktoria Nitzsche

Zur Person:

Malgorzata Martin, 41, arbeitet seit einem Jahr in der Onkologie des Hegau-Bodensee-Klinikums in Singen. Ihre Kunsttherapie bietet sie auch in einem Asylheim an. Aktuell macht sie zusätzlich eine Ausbildung als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihre Stelle als Kunsttherapeutin an der Klinik finanziert sich durch Spenden. Weitere Informationen gibt es auf ihrer Homepage www.malgorzatamartin.com und auf www.krebszentrum-hegau-bodensee.de.

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